| Stimmen zum Werk Hermann Stenners | Seite | ||||||
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Hermann Stenner war eine Naturbegabung ...
Mit intuitiver Sicherheit erspähte sein Malergeist und sein Malerauge
im Gegenständlichen seine Bedeutung als Form und Farbe. Sie bestimmte,
was an einem Gegenständlichen unverändert aufzunehmen, was abzuwandeln,
was in der Wirkung zu steigern, und was, weil nur stofflich betrachtet von
Belang, als künstlerisch überflüssig wegzulassen war. Über
den Aufbau einer Komposition entschied bei Stenner keine gedankliche Überlegung,
kein theoretisches Grundprinzip. Er überließ sich getrost dem
angeborenen Gefühl, das auch den Sinn für Ordnung in sich barg,
einem Gefühl, das freilich durch die Schulung von Hoelzel wie durch
den Umgang mit Baumeister und Schlemmer Steigerung und Verfeinerung erfuhr. Hermann
Stenner ist heute ein verschollener Wert. Er muss der Kunstwelt zurückgegeben
werden. Das malerische Werk, das der 23-jährige 1914 in seinem Stuttgarter
Atelier zurückließ, gehört mit zu den aufbauenden Kräften
der modernen Kunst in Deutschland. Ohne seine Kenntnis bleibt das kunstgeschichtliche
Bild jener Frühzeit unvollständig. |
Hermann Stenner gehörte zu den begabtesten
Malern der jüngeren Generation des Expressionismus. Seine Begabung
ist phänomenal insofern, als wir es mit einem Dreiundzwanzigjährigen
zu tun haben, dessen Werk in rascher Entwicklung einen Reifegrad erreicht
hat, der in keinem Verhältnis zu seinen Jahren steht. Es ist von
der inneren und äußeren Fülle, die man bei Frühverstorbenen
findet. Erhaltenes und Verschollenes runden sich zu einer Lebensleistung,
die Hermann Stenner einen Platz in der deutschen Kunstgeschichte des 20.
Jahrhunderts sichern müsste. Stenner, mit ursprünglichem
Farbensinn begabt, ist sicher der Farbigste unter ihnen (gemeint: den
Schülern Hölzels), darin und in der kompositionellen Haltung
- besonders um 1912 - Hölzel am stärksten verbunden. Die im
Sommer des Jahres 1914 entstandenen Bilder, in denen der 23-jährige
zu einer eigenen, persönlichen Form gefunden hat, lassen erkennen,
welch verheißungsvoller Aufstieg hier durch den Tod abbricht. Das Bildnis Itten
von Stenner zählt zu den besten, wenn auch unbekanntesten Portraits
des deutschen Expressionismus.
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