Stimmen zum Werk Hermann Stenners   Seite Texte Seite 2

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Die dritte und jüngste Generation des Schülerkreises gipfelt in Stenner, Baumeister, Schlemmer und Itten. Stenner, vielleicht der Hoffnungsvollste unter ihnen, ist den Heldentod gestorben. Welche ungeheuren Möglichkeiten eröffnen sich in den Farbenrhythmen, die er uns zurückgelassen. Wenn man in der Stärke des geistigen Ausdrucks ein Symptom germanischen Geistes sehen will, ist er sicherlich der Deutscheste unter allen. Die Farbe ist straff gefügt, in der Nuancierung auf das Notwendigste reduziert, aber voll Leben, voll Feuer. Erinnerungen an Munch steigen auf. Aber Stenner ist knapper und präziser; was er schafft, ist Erlebnis des Werkes ursprünglichster und reinster Bedeutung.
Düsseldorfer Generalanzeiger (Dr. W. Sch.) 13.11.1917 über Adolf Hölzel und seinen Kreis

Der Übergang von einer Malerei, die von den Ausdrucksmöglichkeiten einer gestaltenden und umschaltenden Beschreibung der Naturformen zu den rein malerisch verpflichteten Ausdrucksformen kommt, ist am deutlichsten Hermann Stenner gegeben. Aber man nennt diesen wundervoll begabten jungen Maler, der im Krieg gefallen ist, nicht nur deshalb an erster Stelle. Hermann Stenner gehörte zu den Glücklichen, die das Malerische als etwas ganz Selbstverständliches, die es sozusagen in den Fingerspitzen haben. Hermann Stenner hat köstliche Bilder gemalt, als er noch impressionistisch an die Natur gebunden war. Er hat dann später mit einer Vereinfachung und intensiveren Organisation der Form und dem kühneren und bewußteren Erleben der Farbe seine Ausdruckmöglichkeiten stark gesteigert und ist am Anfang wie am Ende im Besitz jenes nicht weiter Definierbaren, das man das Malerische nennt, geblieben .... In Hermann Stenner hat die deutsche Malerei ein ganz ursprüngliches malerisches Talent voll reichsten Versprechungen verloren.
Stuttgarter Neues Tagblatt (D.) 28. April 1918

Daß es in Stuttgart eine recht stattliche Zahl von Malern gibt, die sich zum Expressionismus bekennen, ist im allgemeinen wenig bekannt. Man weiß, daß Adolf Hölzel dort wirkt und lehrt, und läßt sich daran genügen. Diese Unkenntnis rührt nicht zuletzt daher, daß den schwäbischen Expressionisten nur sehr beschränkte Ausstellungsmöglichkeiten geboten waren. Ein mit all der begeisterten Tapferkeit vorwärtsstürzender Jugend von Schlemmer und Baumeister vor Jahren unternommener Versuch einen „Neuen Kunstsalon” einzurichten, scheiterte nach kurzem Gelingen an der Unzulänglichkeit der Geldmittel wie an der verständnisbaren Teilnahmslosigkeit des Publikums. Es ist darum sehr zu begrüßen, daß der Kunstsalon Schaller das Unternehmen auf breiterer Grundlage zu erneuern gewillt ist. Die erste Ausstellung dieser Art umfaßt, da Baumeister, Schlemmer, Graf usw. bei anderer Gelegenheit gezeigt werden sollen, lediglich eine Anzahl von Schülern und Schülerinnen Hölzels. ... Den Mittelpunkt der Veranstaltung bilden die Werke Hermann Stenners, der als 23jähriger im Herbst 1914 fiel.
Das Kunstblatt, II. Jahrgang 1919, Heft 1 Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar (H. H.) Ausstellungen

Stenner war ein frischer, heiterer Mensch und Künstler. Seine Leistungen waren ausgezeichnet ...Ich schätze die Malereien Stenners sehr, wie Oskar Schlemmer auch. Er wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn nicht der sinnlose verbrecherische Krieg seine Opfer geholt hätte.
WILLI BAUMEISTER, Brief vom 15. Juni 1950





 
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