Gedicht für Hermann Stenner     Texte

 

Klagehymnus

für Hermann Stenner

 

Diese Bilder,
eine Entdeckung,
lassen nicht los.

Ozeanblau. Ziegelrot. Erde.

Was musst du für ein Mensch
gewesen sein?
Hermann Stenner.

Heiter, lebenshungrig, strebsam,
sagen sie.
Zündender Geist, hellwache Augen.

Lichtblau. Zitronengelb. Himmel.

Feine, flinke, sichere Hand.
Gespür und Geschick
im Augenblick,
für das Detail, für das Ganze.

Gebrochenes Weiß. Tiefnachtes Blau.
Erde und Himmel.

Linie und Fläche, Farbe und Raum.
begnadet erkannt,
geborgen, geboren.

Schönheit der Farbkraft,
Brechung ins Licht.
Visionen umsetzen, herausfordern,
leben.

Was hat dich geritten,
wer dich beraten, verführt,
welche Hoffnung erwartungsvoll
dich beseelt?

Freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet,
in den Krieg gezogen.
Gleich Macke und Marc.

Dreck, Dunkel, Kälte, Feindschaft und Tod.
Vier Monate später
im Gemetzel gefallen.

Blüte der Jugend, Sohn.

Wer kann das verstehen?

Aufsehen.

Auferstehen.

 

Kriemhild Linda Retter
April 2011

 



Vier Akte in Landschaft

 
  Texte